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Boxen

5 November 2015 Keine Kommentare
Boxen

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Anders als Nischensportarten gibt es eine Reihe von solchen, die große Massen seit jeher faszinieren. Zu diesen gehört zweifelsohne das Boxen, eine Kampfsportart, bei der zwei Kämpfer aus derselben Gewichtsklasse ausschließlich mit den Fäusten gegeneinander kämpfen.

Von den Anfängen bis zum modernen Boxen

Das Kämpfen allein mit den Fäusten ist keine Erfindung der Moderne. Im Gegenteil, das Boxen zählt zu den ältesten Sportarten überhaupt. Archäologisch nachgewiesen ist der Faustkampf zur Massenunterhaltung schon bei den alten Ägyptern vor mehr als 5000 Jahren. Von dort aus breitete er sich nach Westen im ägäischen Raum aus, also auf dem Gebiet der heutigen Türkei und Griechenlands. Unabhängig davon entdeckten auch andere Kulturen den Faustkampf für sich; belegt kann dies unter anderem für die Gladiatorenkämpfe im alten Rom und bei den Ureinwohnern Mittel- und Südamerikas werden.

Allerdings hatte der antike Faustkampf mit dem nichts zu tun, was man heute unter Boxen versteht. Gerade bei den Gladiatorenkämpfen galten so gut wie gar keine Regeln. Der moderne Boxkampf und seine Regeln entwickeln sich sukzessiv auf den britischen Inseln. Dort setzten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts die sogenannten Queensberry-Regeln durch. Die Queensberry-Regeln konstituierten drei grundlegende Regeln, die noch heute gelten. Erstens wurde das bare-knuckle-Boxen verboten, also das Boxen ohne Handschuhe. Zum Schutze der Boxer selbst ist das Tragen von besonders gepolsterten Boxhandschuhen verpflichtend; die heutigen Regeln sehen ferner das Tragen eines Mundschutzes vor. Die zweite Regel von Queensberry lautet, dass Kämpfe nicht bis zur völligen Erschöpfung ausgetragen werden, sondern in Runden gegliedert werden müssen. Jede Runde dauert drei Minuten, die von einer Pause von einer Minute unterbrochen werden. Schließlich sehen die Queensberry-Regeln vor, dass beim Niedergehen eines Boxers der andere nicht weiter zuschlagen darf (Nachsetzen). Vielmehr muss er in einer neutralen Ecke so lange warten, bis der Ringrichter den niedergegangenen Boxer ausgezählt hat.

Gesittetes Zuschlagen

Von den Queensberry-Regeln ausgehend haben sich im Laufe der Zeit viele weitere Regeln entwickelt, die das heutige Boxen reglementieren. Normalerweise wird ein Kampf nach Absolvierung aller Runden nach Punkten entschieden. Dabei zählt jeder Schlag mit der geschlossenen Faust gegen den Kopf, Hals oder den Korpus des Gegners als ein Punkt. Schläge mit anderen Körperteilen als mit der Faust, wie Tritte und Kopfnüsse, sind verboten. Es wird nicht nur kein Punkt für solche Schläge gegeben, sondern je nach Ermessen des Ringrichters mit einer Verwarnung, Punktabzug oder schlimmstenfalls sogar mit der Disqualifizierung geahndet. Weitere Regelverstöße sind Schläge unter der Gürtellinie sowie permanentes Clinchen. Ist ein Boxer erschöpft, klammert er den Gegner, um sich so eine kurze Pause zu verschaffen. Tut er dies mehrmals, kann es je nach Ermessen des Ringrichters zu Punktabzügen oder sogar zur Disqualifizierung führen. Schläge gegen die Arme bzw. Handschuhe des Gegners gelten als neutrale Schläge. Das heißt, sie sind zwar nicht verboten, werden aber auch nicht als Punkt bewertet.

Gelegentlich werden Kämpfe vorzeitig entschieden, also vor Absolvierung aller Runden. Dies kann unterschiedliche Gründe haben. Geht ein Boxer während des Kampfes nieder und steht er nach Auszählen durch den Richter nicht wieder auf, gewinnt der andere durch k.o. Gibt ein Boxer selbst auf oder weil sein Ringbetreuer das Handtuch in den Ring wirft, dann gewinnt der andere durch technisches k.o. Möglich ist ein Kampfabbruch auch dann, wenn der Ringrichter der Meinung ist, dass für einen Boxer mit schweren Verletzungen aus medizinischer Sicht ein Fortsetzen nicht mehr zumutbar ist. Letztlich wird ein Kampf vorzeitig entschieden, wenn einer der Boxer aufgrund einer Regelverletzung disqualifiziert wird. Dies ist der Fall bei absichtlichen Schlägen unterhalb der Gürtellinie, Kopfnüssen, Nachsetzen von Schlägen, obwohl der Ringrichter zwischen den Boxern gegangen ist oder wenn ein Boxer seinen Mundschutz ausspuckt und nicht wieder einsetzt. Letztes ist eher als Zeichen einer Aufgabe zu verstehen, wird aber als Disqualifizierung gewertet.

Ein Schlag ist mehr als nur ein Schlag

Beim Schlagen geht es aber nicht nur darum, verbotene Schläge zu vermeiden, sondern vor allem Wirkungstreffer zu erzielen. Denn der beste Fight ist immer noch ein Sieg durch k.o., was nicht nur spektakulärer aussieht, sondern vor allem Ressourcen des Boxers spart. Ein perfekter Schlag muss schnell, aber auch kraftvoll sein. Um die maximale Kraft in den Fäusten zu konzentrieren, schlägt man nicht nur mit den Armen, sondern „aus der Hüfte heraus“. Gemeint ist, dass bei einem perfekten Schlag der gesamte Körper eine Rolle spielt. Wer zu einer Geraden ausholt, streckt nicht nur den Arm aus, sondern dreht seine Schulter samt Hüfte mit in den Schlag, um so möglichst viel Gewicht – und damit auch Kraft – in die schlagende Faust zu konzentrieren.

Dazu ist die Ausgangsposition des Boxers entscheidend. Rechtshänder kämpfen in der Linksauslage, das heißt, ihre schwache linke Hand ist ihre Führhand, die etwas nach vorne versetzt steht. Die richtige Boxposition zu finden, ist einfach. Man steht mit den Beinen schulterbreit. Als Rechtshänder tritt man mit dem rechten Bein ein Schritt nach rechts und einen weiteren Schritt nach hinten. Schlägt man nun mit der Schlaghand, beim Rechtshänder die rechte Hand, dreht man synchron zu seinem Arm sein rechtes Bein mit in den Schlag und verlagert so sein gesamtes Gewicht in den rechten Arm. Beim Schlagen mit der linken Führhand dagegen dreht man für gewöhnlich das linke Bein nicht mit in den Schlag. Denn die Führhand ist ohnehin zu schwach für Wirkungstreffer. Ihre Aufgabe ist vielmehr, mit schnellen, einfachen Schlägen die Deckung des Gegners zu durchbrechen, damit die folgende rechte Schlaghand mit voller Wucht einschlagen kann.

Gerade Schläge, egal, ob mit der Führhand (sogenannter Jab) oder mit der Schlaghand (sogenannter Punch oder Cross), sind nicht die einzigen Schlagarten. Das, was das professionelle Boxen vom Amateurboxen unterscheidet, sind die subtilen Kombinationen aus Geraden, Hacken (Schläge, die seitwärts zur Schläfe ausgeführt werden) und Uppercuts (Schläge, die aufwärts zum Kinn ausgeführt werden). Ein Profiboxer vertraut dabei nicht nur einstudierten Kombinationen, sondern seinem Auge. Je nachdem, wo die Deckung des Gegners Lücken aufweist, schlägt er hin. Denn nur solche Schläge zählen, die den Kopf, Hals oder Korpus des Gegners treffen. Schläge gegen die Deckung zählen nicht nur nicht als Punkt, sondern kosten auch viel Energie.

Vom Schmetterling zur Druckmaschine

Boxer werden aber nicht nach ihren Kombinationen unterschieden, sondern nach der Art, wie sie den Infight suchen, also den direkten Schlagabtausch mit dem Gegner. Einige Boxer versuchen, den Schlägen des Gegners auszuweichen und „tanzen“ buchstäblich um den Ring herum. Sie setzen vornehmlich ihre Führhand ein, bis sie Lücken in der Deckung des Gegners gefunden haben, um erst dann mit der Schlaghand zu treffen. Weil sie den direkten Schlagabtausch meiden, werden sie auch als Defensiv-Boxer bezeichnet. Der wohl Bekannteste ist Cassius Clay Jr. aka Muhammed Ali. Getrau seinem Motto, „Schweben wie ein Schmetterling, stechen wie eine Biene“, versuchte Ali, möglichst allen Schlägen auszuweichen und durch Provokationen den Gegner zu Vernachlässigung seiner Deckung zu verleiten, um dann mit seiner berüchtigten Schlaghand Wirkungstreffer zu erzielen.

Das Pendant zum Defensiv-Boxer ist der Pressure-Boxer. Wie der Name es schon verrät, macht dieser Boxer Druck. Ununterbrochen sucht er den Infight, indem er nicht nur viel und schnell schlägt, sondern vor allen Dingen mit der Schlaghand hart schlägt. Anders als der Defensiv-Boxer verlässt er sich nicht darauf, erst dann zuzuschlagen, wenn der Gegner die Deckung fallen lässt. Vielmehr zwingt er durch permanentes Schlagen den Gegner dazu, zurückzuschlagen und in diesem Moment die Deckung zu vernachlässigen. Pressure-Boxer, wie beispielsweise „Iron“ Mike Tyson, der wegen seiner explosiven Schlaghärte schon in seiner Jugend „Kid Dynamite“ genannt wurde, müssen Kämpfe vorzeitig für sich entscheiden, da sie sich dergestalt verausgaben, dass sie die vollen Rundenzahlen nicht überstehen können. Dieser Kampfstil ist mithin nicht nur spektakulärer in seinem Verlauf, sondern führt für gewöhnlich immer zu einem k.o. – des Gegners oder des Pressure-Boxers selbst, der nach wenigen Runden kaum die Kraft hat, dem Gegner etwas entgegenzusetzen.

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